Viele Bauherren unterschätzen die Bedeutung eines qualifizierten SiGe-Koordinators. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass diese Aufgabe als Formalie abgetan wird. Auf der Baustelle zeigt sich dann schnell ein anderes Bild: unklare Zuständigkeiten, lückenhafte oder fehlende SiGe-Pläne, schlecht abgestimmte Abläufe zwischen den Gewerken. Spätestens bei einem schweren Unfall wird sehr genau hingeschaut – vor allem auf die Organisation durch den Bauherrn.
Die rechtliche Verantwortung liegt klar beim Bauherrn. Er muss sicherstellen, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Planung und Ausführung koordiniert werden und dass diese Aufgabe fachkundig besetzt ist. Wird diese Pflicht vernachlässigt, greifen am Ende Haftung, Regressforderungen und gegebenenfalls strafrechtliche Konsequenzen. Im Vergleich dazu sind die Kosten für eine professionelle SiGe-Koordination gering.
Die Praxis sieht in vielen Projekten leider anders aus. Häufig wird der SiGeKo erst dann beauftragt, wenn die Baustelle schon läuft und Entscheidungen längst gefallen sind. An diesem Punkt geht es oft nur noch darum, hinterher zu dokumentieren und Schäden zu begrenzen. Fachlich richtig wäre es, den SiGe-Koordinator bereits in der frühen Planungsphase einzubinden. Dort können Bauabläufe, Baustelleneinrichtung und Schnittstellen zwischen den Gewerken so geplant werden, dass viele Gefährdungen gar nicht erst entstehen.
Sinnvoll wäre deshalb, die Rolle des SiGe-Koordinators im Genehmigungsprozess ähnlich verbindlich zu verankern wie die des Tragwerksplaners. So wie im Bauantrag der Statiker benannt wird, sollte dort auch der zuständige SiGeKo aufgeführt sein. Diese einfache formale Änderung hätte mehrere Effekte. Der Bauherr wird früh auf seine Pflichten hingewiesen. Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen fließen von Beginn an in die Planung ein. Für alle Beteiligten ist von Anfang an klar, wer für die Koordination des Arbeitsschutzes zuständig ist.
Für die Branche wäre das ein wichtiger Schritt. Arbeitsschutz würde nicht mehr als störender Zusatz, sondern als selbstverständlicher Bestandteil einer professionellen Projektorganisation wahrgenommen. Genau diese Verbindlichkeit brauchen wir, wenn wir das Sicherheitsniveau auf Baustellen dauerhaft anheben und Bauherren vor vermeidbaren Haftungsfallen schützen wollen.
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